Lagerung von Eichelvorräten

Das hohe ernährungsphysiologische Potential von Eicheln, die reich an Kohlehydraten, Fett bzw. Fettsäuren, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen sind (vgl. Guthke, S. 22 ff., S. 146 u. S. 169 ff.; Golling, S. 34 ff.; Kirstenpfad, S. 8 ff.), macht sie zu einem wertvollen Lebensmittel. In der Vergangenheit fanden sie zwar zumeist als qualitätsvolles Schweinefutter Verwendung, aber auch zum Speiseplan von Menschen haben sie oftmals, nach Entfernung der Tannine zu Brot oder Brei verarbeitet, einen nützlichen Beitrag geleistet. Als wildwachsende Waldfrüchte boten Eicheln im Gegensatz zu Getreide, dessen Anbau mit großer Mühsal verbunden war, überdies den Vorteil, dass sie ohne jeglichen Arbeitsaufwand reiften.

Trotz aller Vorzüge gab es ein Problem, das die wirtschaftliche Nutzung von Eicheln außerordentlich erschwerte: Die Samenproduktion der Eichen unterliegt starken jährlichen Schwankungen. Während in manchen Jahren Eicheln im Überfluss (Vollmast) heranwachsen und in anderen Jahren die Eichelernte zumindest mäßig (Halbmast) oder wenigstens noch gering (Sprengmast) ausfällt, treten auch immer wieder Fehlmastjahre auf, in denen die Bäume so gut wie keine Früchte ausbilden. Um diese Unregelmäßigkeit der Samenerträge auszugleichen, war es dereinst sicherlich opportun, Eicheln – besonders wenn es sie in Vollmastjahren in geradezu verschwenderischer Fülle gab – langfristig einzulagern.

Wegen ihrer großen Anfälligkeit für Bakterien- und Pilzinfektionen und ihrer Neigung, sofort nach der Reifung Keimwurzeln hervorzubringen, stellen Eicheln ein heikles Lagergut dar. Über welche Kenntnisse und Praktiken Bauern vergangener Zeiten verfügten, um diese Schwierigkeiten zu meistern, bleibt in den Textquellen leider unerwähnt. Doch umfangreiche Eichelmengen, wie das Prümer Urbar sie als Abgaben auflistet, erforderten geeignete Aufbewahrungsmöglichkeiten und archäologische Befunde von mittelalterlichen Siedlungsplätzen in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass man in einigen Regionen offenbar spezielle Bevorratungseinrichtungen für Eicheln angelegt hat.

Experiment zur Langzeitlagerung von Eicheln

Zur Untersuchung der Frage, ob mittelalterliche Erdställe, die man vor allem in Süddeutschland und Teilen von Österreich findet, passende Bedingungen zur Langzeitlagerung von Eicheln geboten haben, ist über fast zwanzig Monate hinweg ein Experiment durchgeführt worden (Beschreibung des Lagerungsexperiments: [PDF-Link] zur Download-Seite der BaumZeitung - Zeitschrift für Baumpflege, Baumfreunde und Arborisitik).

Einige Fotos von der Durchführung des Experiments:



Lagerungsboxen bei einem Kontrolltermin



Eicheln nach 6-monatiger Lagerung



Eichensämlinge bei einem der anschließenden Keimtests


Literatur

Gems-Müller, Heike: Die Eignung von Erdställen zur Vorratshaltung am Beispiel von Eicheln als Lagergut. In: Der Erdstall, Heft 44. Neukirchen-Balbini 2018, S. 68-89

Gems-Müller, Heike / Müller, Martin: Ein Experiment zur Langzeitlagerung von Eicheln unter erdstalltypischen Umweltbedingungen. In: Der Erdstall, Heft 44. Neukirchen-Balbini 2018, S. 90-94

Gems-Müller, Heike / Müller, Martin: Langzeitlagerung von Eicheln mit einfachen Mitteln. In: www.baumzeitung.de (publiziert am 30.10.2020)

Golling, Kristina: Phenolische Inhaltsstoffe in Eicheln (Früchte von Quercus spp.) sowie im Harn von Schweinen bei Nutzung von Eicheln als Futtermittel. (Diss.) Hannover 2008 [PDF-Link]

Guthke, Jörg: Langzeitlagerung von Eichensaatgut - Probleme und Möglichkeiten. (Diss.) Hannover 1992

Natzke, Ehlert: Die Lagerung von Eicheln – Situation, Versuche, Ausblick. In: Behandlung und Lagerung von Eichensaatgut: Situation und Darstellung aktueller Forschungsarbeiten (Kolloquium - 24.04.1996 in Braunschweig). Mitteilungen aus der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Heft 329. Berlin 1997, S. 53-66

Schlegel, Thomas Karl: Frosthärteinduktion bei Eicheln. (Diss.) Hannover 2001 [PDF-Link]

Schmalen, Wilhelm / Herget, Jürgen: Eichellagerung – Erfahrungen aus der Praxis. In: Fortschritte bei der Lagerungstechnologie von Eichensaatgut (Symposium – 28. u. 29.04.1998 in Braunschweig). Mitteilungen aus der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Heft 365. Berlin 1999, S. 69-72

Schröder, Thomas: Über die Eignung verschiedener physikalisch-technischer Verfahren zur phytosanitären Behandlung und zur Lagerung von Forstsaatgut unter besonderer Berücksichtigung der Stiel- und Traubeneiche. Mitteilungen aus der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Heft 360. Berlin 1999

Spethmann, Wolfgang: Optimierung der Eichen-Saatgutbehandlung bei Ernte und Lagerung. In: Behandlung und Lagerung von Eichensaatgut: Situation und Darstellung aktueller Forschungsarbeiten (Kolloquium - 24.04.1996 in Braunschweig). Mitteilungen aus der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Heft 329. Berlin 1997, S. 87-96

Werres, Sabine / Nirenberg, Helgard / Kehr, R.: Cylindrocarpon didymum (Hartig) Wollenw., ein bei der Lagerung von Eichensaatgut bisher unbekannter Erreger. In: Nachrichtenbl. Deut. Pflanzenschutzd., 44 (11), Stuttgart 1992, S. 238‑242 [PDF-Link]


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